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Amoklauf mit Flammenwerfer: “Das Herz der Stadt stand still”

Am 11. Juni 1964 überfiel ein Weltkriegsveteran eine Kölner Volksschule. Mit einem Flammenwerfer und einer Lanze tötete der Attentäter acht Kinder und zwei Lehrerinnen. Die Überlebenden leiden noch heute an den Folgen des Amoklaufs – der wie ein unheilvoller Vorbote der Taten von Erfurt, Dunblane und Littleton erscheint.

(Aus dem SPIEGEL-ONLINE-Archiv: Artikel vom 11.06.2004)


Jedes Jahr am 11. Juni trinkt die Zahntechnikerin Barbara Peter, 48, ein Gläschen Sekt, “weil ich mich an diesem Tag darüber freue, dass ich noch da bin”. Vor 40 Jahren, am 11. Juni 1964 um 9.10 Uhr, wäre ihr junges Leben beinahe vorschnell verloschen.

Barbara Peter besucht an diesem Morgen mit ihren Klassenkameraden den Turnunterricht an der katholischen Volksschule im Kölner Stadtteil Volkhoven. Die Grundschüler sehen, wie ein Mann mit einem Gerät, das die Kinder für eine Gartenspritze halten, das Schulgelände betritt. Doch als er sich der Turngruppe bis auf drei Meter genähert hat, versprüht er aus dem Tank auf seinem Rücken kein Wasser, sondern eine sechs Meter lange Flamme.

Die achtjährige Bärbel – Barbara Peter – erleidet schwere Verbrennungen, als der Amokläufer seine furchtbare Waffe auf sie richtet. Ihre Haut färbt sich tiefrot, das Turnhemd an ihrem Rücken ist weggeschmort, die Haare versengt. Die Schülerin irrt auf dem Schulhof umher, sucht schließlich Zuflucht auf der Toilette. Dort herrscht Chaos: In dem einzigen, langen Waschbecken der Schule liegt ein Mädchen, andere verletzte Kinder lassen Wasser über ihre Brandwunden laufen.

Der “Flammenteufel” von Köln

Volkhoven, Dunblane, Littleton, Erfurt: Der Amoklauf von Köln steht als erster Name in einer Reihe von Verbrechen, die im Jahr 1964 noch weit in der Zukunft liegen. Die Zeitungen drucken Sonderausgaben mit Schlagzeilen über den “Flammenteufel” von Köln, das Fernsehen ändert sein Programm. Nach Volkhoven diskutiert man noch nicht über Ego-Shooter-Videospiele und Waffenbesitz, sondern über den freien Verkauf von Chemikalien und ein mögliches “Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten”. Und bleibt doch ratlos angesichts der schwer fassbaren Tat.

An diesem heißen Sommertag 1964 dringt der Weltkriegsveteran Walter Seifert, 42, bewehrt mit einem selbst gefertigten Flammenwerfer und einer Lanze, in die Kölner Grundschule ein. Durch seinen 20 Minuten dauernden Amoklauf sterben sieben Schülerinnen, ein Schüler und zwei Lehrerinnen. 21 Kindern fügt Seifert Brandverletzungen zu, die sie fürs Leben zeichnen – darunter auch Barbara Peter.

 

Buch: Barbara Peter, Das Herz der Stadt stand still. Das Flammenwerfer-Attentat von Köln-Volkhoven, SH-Verlag Köln, 2004

Buch: Barbara Peter, Das Herz der Stadt stand still. Das Flammenwerfer-Attentat von Köln-Volkhoven, SH-Verlag Köln, 2004

Über Jahre hinweg sammelt sie die Erinnerungen von Überlebenden des Anschlags, von ehemaligen Mitschülern, Angehörigen der Toten, Ärzten, Lehrern, Feuerwehrmännern und Polizisten. Die bedrückenden Dokumente hat sie jetzt in einem Buch veröffentlicht. Titel: “Das Herz der Stadt stand still”. In diese Worte fasste der damalige Kölner Oberbürgermeister Theo Burauen bei der Trauerfeier sein Entsetzen über das Attentat.Der Amokläufer stirbt am Abend der Tat an den Folgen einer Selbstvergiftung: Er schluckt noch während des Massakers das Pflanzenschutzmittel E605. Die Polizei stellt ihn auf der Flucht, ein Beamter schießt ihn in den Oberschenkel. “Ja. Es ist eine böse Sache”, gibt Walter Seifert kurz vor seinem Tod zu Protokoll, als er nach seinem Motiv für den Anschlag gefragt wird.

“Eigentümliches fanatisches Gehabe”

Seifert, ehemaliger Schüler der Volkhovener Schule, wurde von über Jahre aufgestautem Hass getrieben: Hass auf Beamte, die seine Tuberkulose-Erkrankung nicht als Kriegsleiden anerkennen, Hass auf die Ärzte, die seine Ehefrau drei Jahre vor der Tat im Kindsbett nicht vor dem Tod retteten. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Täter als Soldat der Wehrmacht gedient und eine Waffenschule besucht, sich in der anschließenden Kriegsgefangenschaft wahrscheinlich die Tuberkuloseerkrankung zugezogen.

Nach der Gefangenschaft versucht Seifert, als Polizist im Zivilleben Fuß zu fassen. Das Vorhaben scheitert: Nach nicht ganz einem Jahr entlässt ihn sein Arbeitgeber im Herbst 1946 wegen Dienstuntauglichkeit. Danach bekommt der Kriegsheimkehrer kein Bein mehr auf den Boden. Die Rente fällt schmal aus, weil die Amtsärzte den Zusammenhang zwischen Krankheit und Gefangenschaft nicht bestätigen wollen.

 

"Paranoide Gedankengänge": Videoaufnahme vom Amoklauf in Littleton
REUTERS

“Paranoide Gedankengänge”: Videoaufnahme vom Amoklauf in Littleton

Der Frührentner reagiert mit den Jahren zunehmend paranoid auf seine Kontakte mit den Versorgungsbehörden und reicht Ende 1959 beim Gesundheitsdezernenten der Stadt Köln eine verschwörungstheoretische Abhandlung mit der Überschrift “Sozialpolitik-Sozialärzte-Sozialmord” ein. Bei der anschließenden psychiatrischen Untersuchung attestieren ihm die Amtsärzte ein “verschrobenes Verhalten”, “ein ständiges, inadäquates Lächeln”, “paranoide Gedankengänge” und ein “eigentümliches fanatisches Gehabe”. Seifert wird trotz dieses eindeutigen Befunds nicht in die Psychiatrie eingewiesen, da er sich während der Untersuchung ruhig verhielt.Doch in dem Mann brodelt es weiter: Als auch ein letztes gerichtliches “Obergutachten” am 25. April 1964 negativ ausfällt, dreht er durch. Acht Wochen vergehen noch bis zum 11. Juni.

Handwerk im Krieg erlernt

Der Amokläufer bereitet seine Tat akribisch vor: Das Handwerkszeug für die Wahnsinnstat, den Bau des Flammenwerfers und die richtige Mixtur der brennbaren Flüssigkeit, hat Seifert im Krieg erlernt, wie der evangelische Pastor Hülser in dem Buch von Barbara Peter betont. Ihm hatte Seifert sechs Wochen vor dem Attentat eine Mappe überreicht, die das Unrecht belegen sollte, das ihm seiner Meinung nach angetan wurde. Der Amokläufer sei “sozusagen staatlich instruiert” gewesen – er gehörte zu einer Generation, die gelernt hatte, mit Mordwerkzeugen umzugehen und die dieses furchtbare Wissen gegen die Zivilbevölkerung in den von Deutschland im Zweiten Weltkrieg eroberten Länder richtete. Anders als anderen Soldaten gelingt es Seifert nicht mehr, ins Zivilleben zurückzufinden.

Seifert fertigt eigens einen Holzkeil an, mit dem er das Schultor von außen blockiert, montiert einen spitzen Dreikantschaber auf seine Lanze, füllt die Unkrautspritze mit “Toluol, Essigsäure-Äthylester, Butylacetat und Naphtalin-Derivaten”, wie es im Polizeibericht heißt. Seinen ersten Feuerstoß richtet der Attentäter gegen die 66-jährige Lehrerin Anna Langohr; sie hatte ihm einst Lesen und Schreiben beigebracht.

“Wer bist du?”

Die Scheiben der voll besetzten Klassenräume schlägt Seifert mit einer für diesen Zweck mitgebrachten Schleuder ein und zielt mit dem Flammenwerfer auf einzelne Kinder. “Ich schlug die Hände vor mein Gesicht, weil die Luft, die mir entgegenkam, so heiß war. Ich kriegt keine Luft mehr”, erinnert sich die ehemalige Schülerin Hella Rauch. Auf dem Schulhof trifft Dorothea Binner auf die entstellte Hella: “Wer bist du?”, fragt sie die ihr gut bekannte Mitschülerin. Zwei Lehrerinnen, die sich dem Rasenden entgegenstellen, sticht Seifert mit seiner selbst gebauten Lanze nieder, beide sterben.

 

Das Trauma nie überwunden: Gedenken an die Opfer von Erfurt
DPA

Das Trauma nie überwunden: Gedenken an die Opfer von Erfurt

Für die Überlebenden beginnt jetzt das eigentliche Martyrium. Sie haben Verbrennungen vierten Grades, große Teile der Haut und des darunter liegenden Gewebes sind zerstört. In der ersten Woche stirbt fast jeden Tag ein Kind. Monatelang liegen die Verletzten in der Kölner Kinderklinik Amsterdamer Straße. “Die Verbandswechsel, die Bäder, das Abtragen von überschüssigem Gewebe war für die Kinder ein Horror”, erinnert sich Oberarzt Welte.Die Besuchsbedingungen sind hart: Die Eltern dürfen die Kinder nur einmal in der Woche besuchen und nach Möglichkeit nur vom Fenster aus in die Zimmer gucken – wegen der Infektionsgefahr. Psychologische Betreuung von Katastrophenopfern durch geschulte Helfer gibt es in den sechziger Jahren noch nicht. Die meisten haben das Trauma des 11. Juni 1964 nie überwunden.

Das verbrannte Turnhemd als Mahnmal

Warum mussten die anderen sterben? Warum nicht ich? Solche Sätze tauchen in den Erzählungen der Überlebenden immer wieder auf.

“Sehr schlimm war für mich, dass ich nach und nach erfahren habe, dass acht Kinder dabei gestorben sind – auch die beiden Lehrerinnen”, sagt die Buchautorin Peter. Sie selbst habe die schrecklichen Erlebnisse relativ gut verarbeitet.

 

Barbara Peter rahmt sich ihr verbranntes Turnhemd, rot, ärmellos, mit hellen Bordüren an Hals und Ärmeln, und hängt es an die Wand: als “persönliches Mahnmal”, wie sie schreibt. “Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich einmal in dieses kleine Kleidungsstück hineingepasst habe. Noch weniger, was damals passierte, geschweige denn, wie es sich anfühlte.””Meine Familie hat mich immer normal behandelt”, sagt Peter. “Da haben sie viel Wert drauf gelegt, dass ich das lustige Kind geblieben bin, das ich vor dem Attentat war. Ich war zudem nicht allein mit den schlimmen Erlebnissen. Bei uns in der Nachbarschaft gab es viele Überlebende. Schließlich ist es eine Frage der Lebenseinstellung, die ist bei mir grundsätzlich positiv.”

Hella Rauch, von den überlebenden Kindern von damals am schwersten verletzt, schreibt, sie hasse den Täter nicht: “Der hat sie nicht mehr alle gehabt, und dann war das so.” Auch die Autorin Peter bestätigt diese Distanz gegenüber dem Täter. Allerdings sei es für sie “ganz wichtig” gewesen, dass Seifert kurz nach dem Attentat gestorben sei. Mit ihm sei zugleich das Gefühl der Bedrohung verschwunden. “Ich hätte ein großes Problem, wenn er jetzt noch da wäre und ich mit ihm auf der gleichen Erde leben würde.”

Der Reggae und die Fische

 

Früher war Tom Mucke öfter am See. Inzwischen muss sich der Sechstklässler mehr mit Dingen wie Vokabeln lernen und Hausaufgaben herumschlagen. Doch der Fühlinger See ist immer noch sein großer Abenteuerspielplatz. Und er liegt ihm am Herzen. Deshalb schaut er immer wieder genau hin, wenn im Sommer Scharen von Fans zum Musikfestival Summer Jam anreisen. Für seine Untersuchung der Auswirkungen dieses Großereignisses auf Wasser, Flora und Fauna gewann der Elfjährige nun einen Sonderpreis beim Regionalwettstreit von Jugend forscht, einer bundesweiten Serie von Wettbewerben für Nachwuchstalente. Obwohl der Gymnasiast keine schädlichen Effekte feststellen konnte, beeindruckte die Preisrichter, wie systematisch Tom seine Analyse angelegt hat.

Am Anfang stand eine Vermutung. „Meistens gibt es nicht genug Toiletten“, glaubt Tom. Und es würden mehr Menschen im See baden als sonst. Auf dem Laptop seiner Eltern hat er viele Bilder gespeichert, die das Gelände während und nach der Veranstaltung zeigen. Tom zeigt auf mit Müll übersäte Wiesen: „So etwas fällt einem auf, wenn man hier wohnt“, sagt der Fühlinger. Nimmt die Natur durch Lärm und die vielen Menschen im Wasser vielleicht Schaden? Auch wenn die Veranstalter in den vergangenen Jahren mehr Toiletten aufgestellt haben und das Gelände nach dem Festival gründlich reinigen – diese Frage ließ dem Juniorforscher keine Ruhe.

Im vergangenen Sommer beobachtete er also Schwäne, Stockenten, Schildkröten, Fische und Füchse am See – und die Wasserqualität vor, während sowie nach der Veranstaltung. Bei der Auswertung der Wasserproben halfen ihm Mitarbeiter des Chemie-Unternehmens Currenta mit Sitz in Leverkusen. Tom durfte das Labor für Ökotoxikologie besichtigen. Mit Schutzbrille, weißem Kittel und Pipette führte er eigenhändig einen von mehreren Tests durch.

Bei der Untersuchung wurden Leuchtbakterien eingesetzt, mit deren Hilfe eine Verschmutzung der Flüssigkeit hätte nachgewiesen werden können. „Sie erzeugen zum Beispiel auch das Meeresleuchten“, erläutert Tom. In den Proben, die er während des Festivals und danach entnommen hatte, leuchteten sie munter weiter. Ein eindeutiger Hinweis: Das Wasser ist in Ordnung. Weitere Analysen der Profis zeigten ebenfalls keine negativen Auswirkungen, der See bietet den Lebewesen darin gute Bedingungen. Und die Tiere rund ums Gewässer, die während des Reggae-Konzerts die Flucht ergriffen hatten, wie Tom beobachtet hatte, tauchten einige Tage später wieder auf.

Nicht die gleiche Artenvielfalt

Wären seine Ergebnisse anders ausgefallen – Tom hätte dafür plädiert, das Festival eine Zeit lang auszusetzen. Generell ist er aber zufrieden damit, wie die Erwachsenen mit seinem See umgehen. „Er wurde ja schon mal gesperrt, als die Wasserqualität nicht so gut war“, erzählt er. Kein Grund, nicht genau zu beobachten, wie es um das Ökosystem im und um den See bestellt ist, findet Tom. „Wir müssen ihn instand halten. Wenn wir einfach immer weiter machen, haben wir irgendwann keine Bäume mehr, keinen Sauerstoff und nicht mehr die gleiche Artenvielfalt wie heute“, sagt er.

Einen konkreten Berufswunsch hat der Junge noch nicht. „Dafür ist es doch zu früh“, sagt er. Fächer wie Mathematik und Physik machen ihm aber eindeutig mehr Spaß als etwa Sprachen. Insgesamt war seine Schule, das Norbert-Gymnasium in Knechtsteden, mit 13 Projekten beim Regionalwettbewerb im Februar vertreten, auch ein erster Preis war darunter. „Viele von unserer Schule haben etwas gewonnen“, relativiert Tom bescheiden seine Auszeichnung in der Juniorsparte.

Buchstaben-Aktion und Flugblattverteilen gegen “Pro Köln” in Chorweiler

Buchstaben-Aktion und Flugblattverteilen gegen “Pro Köln” in Chorweiler

21.03.2014/Köln-Chorweiler, Das ”Bündnis Köln Nord gegen rechts” unter der Beteiligung der SPD Kandidaten Lilo Heinrich und Dirk Bachhausen  für die Bezirksvertretung Chorweiler führte am FReitag eine Buchstaben-Aktion an zentralen Orten in Köln-Chorweiler durch. Zudem wurden Flugblätter gegen “Pro Köln” verteilt. Die Aktion kam bei den Bürgern sehr gut an und die Gespräche machten Spaß.

© Bündnis Köln Nord gegen rechts

© Bündnis Köln Nord gegen rechts

© Bündnis Köln Nord gegen rechts

JETZT MITMACHEN: Quartiersprojekte in Köln gesucht

JETZT MITMACHEN: Quartiersprojekte in Köln gesucht

Die Landesregierung NRW führt zurzeit ein neues innovatives Projekt zur Bürgerbeteiligung im
ganzen Land durch. Unter www.heimat‐im‐quartier.de können die Menschen in NRW ihr eigenes
Quartierprojekt vorstellen und sich online austauschen. Am kommenden Samstag findet der
große Bürgerdialog zu dem Gesamtprojekt in Essen statt. Alle online platzierten Projekte fließen in
die hochkarätige Veranstaltung mit ein. Wir finden: Köln kann noch eine Schippe drauf legen!
Bislang sind vier Projekte angemeldet: StadtteilGenossenschaft Vogelsang, Tag des guten Lebens
Ehrenfeld, Bezahlbares Wohnen amRathenauplatz und der Gemeinschaftsgarten NeuLand.
Wir fänden es toll, wenn ihr Euer Projekt vor Ort auch noch anmelden könntet, damit die
Landesregierung sieht: in Köln passiert was und hier müssen wir handeln. Weitere Informationen
unter www.heimat‐im‐quartier.de.

Läuft da was verkehrt? Bezirksvertretung fordert mehr Kompetenz

Chorweiler (hub). Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge wird als Bezirkspolitikerin auch 2014 für eine Zuständigkeitsordnung mit einer Stärkung der Kompetenzen der Bezirksvertretung kämpfen. Immer noch weist die Verwaltung wie im Fall Ginsterbergbrücke in Weidenpesch bei einzelnen Themen die Zuständigkeit falsch zu. 

Auch der Nahverkehr wird die Bezirksvertretung beschäftigen. Die Kommunalwahl ist eines der Hauptthemen der Bezirksvertretung.
Die Neubaugebiete in Roggendorf/Thenhoven entwickeln sich weiter. Zwar freut sich auch der Bürgerverein über die wachsenden Dörfer, doch sieht der Vorsitzende Daniel Esch das nun neu beschlossene Gebiet am Mottenkaul sehr kritisch.

Bei der Industriestraße von Merianstraße bis Mennweg (Ortsumgehung Fühlingen) geht es voran: Anfang des Jahres soll der Baubeschluss durch die Gremien erfolgen. Mit der Vergabe rechnet das Amt für Straßen und Verkehrstechnik im zweiten Quartal. Neben der Generalsanierung der Brücke Merianstraße ab dem zweiten Quartal ist auch die Fahrbahninstandsetzung der Straßen “An der Kaulen”, Blockstraße und Neusser Landstraße im Arbeitsplan der Stadt zu finden.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW wird Anfang des Jahres über den Neubau der Rheinbrücke informieren (Foto oben links). Hiervon direkt betroffen sind Merkenich und die Rheindörfer. Indes liegt der Planfeststellungsbeschluss für die 380-kV-Freileitung-Trasse vom Heizkraftwerk Merkenich bis Leverkusen-Opladen vor (Foto oben rechts). Die bisher verlaufende Trasse mit zwei Masten wird auf den weiter entfernten Mast vereint. Baubeginn des Freileitungsabschnitts ist im zweiten Quartal 2014. Die Bürger werden zuvor vom Energieunternehmen informiert.

Die Feuer- und Rettungswache Köln Chorweiler muss durch einen Anbau erweitert werden, denn die Einheit MANV (Massenanfall von Verletzten) wird von Ehrenfeld nach Chorweiler verlegt (Foto unten rechts). Außerdem ist die Feuerwehr bei der Suche nach einem Standort einer Rettungswache in Worringen fündig geworden. An der Sankt-Tönnis-Straße soll der Rettungswagen, der noch in Esch steht, platziert werden.

Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept hatte die Bezirksvertretung für den Stadtbezirk abgelehnt, ausgeklammert wurde die Situation in Esch/Auweiler. Eine Bürgerbefragung soll Klarheit über das Meinungsbild zu einem Nahversorgungszentrum zwischen den beiden Dörfern bringen. Zum 1. August 2014 eröffnen zwei Träger erstmals im Stadtbezirk ihre Kitas. Der Naturkindergarten Amares (Foto oben mitte) muss spätestens am 1. August 2014 eröffnen, um sich die Fördergelder zu sichern. Noch sind keine Bauarbeiten erkennbar.

SPD-Großaufgebot in Porz Wenig Lob – viel Kritik

KStA,Erstellt 27.01.2014

Oberbürgermeister Jürgen Roters stand den Bürgern im Rathaussaal Rede und Antwort. Foto: Renate Hofmann
Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters und die SPD-Parteiprominenz haben sich kritischen Fragen der Bürger gestellt. Lob gab es wenig, vielmehr taten die Bürger ihren Unmut sehr deutlich kund und fragten intensiv nach.  Von Renate Hofmann
 Einen leichten Stand hatte Oberbürgermeister Jürgen Roters nicht. Dabei hatte er gute Nachrichten im Gepäck: Die Kaufverhandlungen für das Hertie-Haus sind auf einem guten Weg, und mit der Sanierung der denkmalgeschützten Treppenanlage am Rheinufer soll im April begonnen werden. Doch die rund 130 Bürger, die zur Diskussionsveranstaltung „Zuhause im Quartier – Zukunft Porz-Mitte gestalten“ in den Rathaussaal gekommen waren, blieben skeptisch. Zu oft waren sie vertröstet worden.

Für die Veranstaltung hatte die SPD alles aufgeboten, was Rang und Namen hat. Neben dem Oberbürgermeister und Bezirksbürgermeister Willi Stadoll waren unter anderem der Bundestagsabgeordnete Martin Dörmann zugegen sowie der Landtagsabgeordnete Jochen Ott. Ebenfalls anwesend war Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, die bei der Kommunalwahl für Porz-Mitte/Zündorf/Langel antreten wird, nachdem sich Ratsmitglied Lutz Tempel zurückgezogen hat.
Die Bürger hatten sich von dem Aufgebot locken lassen. Neben den Genossen, die naturgemäß zu Veranstaltungen dieser Art streben, befanden sich viele Vertreter von Vereinen und Initiativen im Publikum. Nicht blicken ließen sich allerdings Vertreter anderer Parteien.

Indes drohten die Bürger keineswegs, vor dem Großaufgebot in Ehrfurcht zu versinken. Lob gab es wenig, vielmehr taten sie ihren Unmut sehr deutlich kund und fragten intensiv nach.

Verständnis für die Gemütslage

Dabei zeigte Roters durchaus Verständnis für die Gemütslage: „Sie haben sehr lange gewartet und bis an die Grenze des Zumutbaren Geduld gezeigt.“ Doch bei der Problematik um den Kaufhaus-Komplex sei man jetzt schon sehr weit. „Wir sind kurz vor der Ziellinie“, hieß es. Das allerdings irritierte die Vertreter der Innenstadtgemeinschaft (ISG). Die hatten sich in letzter Zeit vermehrt Gedanken darüber gemacht, die Immobilie selbst zu erwerben. „Was sollen wir denn jetzt tun, weitermachen oder wieder warten?“, fragte Geschäftsführer Patrick Wiesner. Weitermachen und dann mit der Stadt zusammenarbeiten, empfahl Jochen Ott: „Die Problemlage ist extrem komplex. Dafür ist viel Fachwissen nötig. Für Privatleute ist das kaum zu stemmen.“
Etwas unbestimmter fiel die Antwort auf die Frage aus, wie es weitergehen könnte. Einig war man sich, dass es kein Kaufhaus im klassischen Sinne in der Porzer Innenstadt mehr geben wird. Eher einen großen Supermarkt und einige kleinere Läden. Dazu könnten Wohnungen entstehen. Und Büros. Vielleicht für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die dann aus dem Rathaus ausziehen würden. Der historische Bau am Rheinufer könnte in hochwertigen Wohnraum umgewandelt werden. „Die Lage ist einzigartig“, waren sich alle einig. In das Erdgeschoss, dort, wo sich derzeit die Fraktionsräume befinden, könnte vielleicht eine Eisdiele einziehen.

Doch das waren erst einmal nur Visionen. Wenn sich der Ankauf der ehemaligen Hertie-Immobilie positiv entwickele, müsse die Problemlage zunächst gebündelt und dann alles weiterentwickelt werden. Dazu gehöre auch die Tiefgarage.

Wieder ließen die Bürger nicht locker: Die Stadt habe ihre Verpflichtungen als Eigentümerin vernachlässigt und die Tiefgarage verkommen lassen, wurde dem Oberbürgermeister vorgeworden. Jochen Ott nahm ihn in Schutz: „Hätten wir früher instand gesetzt, hätten wir Steuergelder verschwendet.“ Immerhin gebe es Untersuchungen, nach denen die Parkplätze in der Tiefgarage nicht zwingend nötig seien.

Was immer die Politiker vorbrachten, stets wurde nachgehakt. Der Verdruss war deutlich zu spüren. Das nahmen offenbar auch die Podiumsteilnehmer wahr. „Wir sind sensibilisiert. Sie haben uns aufgerüttelt“, bekannte Elfi Schon-Antwerpes zum Schluss.

Köln-Chorweiler: Bundestagsabgeordnete informieren sich über Situation syrischer Flüchtlinge

Köln | Am 22.01.2014 fand auf Initiative von Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge ein Gespräch zur Situation der syrischen Flüchtlinge im Stadtbezirk Chorweiler statt. Der Einladung folgten die Bundestagsabgeordneten Katharina Dröge (Bündnis 90/Die Grünen), Gisela Manderla (CDU) und Dr. Rolf Mützenich (SPD).

Für die griechisch-orthodoxe Gemeinde von Antiochien nahmen der Metropolit der Orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland und Mitteleuropa Isaak Barakat sowie zwei weitere Gemeindemitglieder der griechisch-orthodoxen Gemeinde Sankt Dimitrios in Seeberg, dem neuen Sitz des Metropoliten teil.

Als Ergebnis der Veranstaltung wurden laut der Bezirksvertretung Chorweiler folgende Vereinbarungen getroffen:

Die griechisch-orthodoxe Gemeinde soll die Bundestagsabgeordneten Dröge, Manderla und Mützenich über abgelehnte Visaanträge syrischer Bürgerinnen und Bürger informieren, um eine Überprüfung strittiger Vorgänge vornehmen zu können. Die drei Bundestagsabgeordneten sollen sich für die Förderung der individuellen Aufnahme von Flüchtlingen im Rahmen von Familienzusammenführungen oder im Kontext der Aufnahme durch Gemeindemitglieder der Metropolitgemeinde einsetzen.

Ferner wurde vereinbart, dass die drei Bundestagsabgeordneten als gemeinsame Aktion einen Brief an die Bundesregierung verfassen. Zielsetzung des Briefes sei es, so die Bezirksvertretung, den Kommunen, hier im Speziellen Köln, stärker die Unterbringung von Flüchtlingen seitens der Bundesregierung zu unterstützen, um eine menschenwürdige Unterbringung entsprechend den Kölner Leitlinien zur Flüchtlingsunterbringung zu ermöglichen.

Wittsack-Junge teilte schriftlich mit, als Bezirksbürgermeisterin “über die Parteigrenzen hinweg” die Aktivitäten der Bundestagsabgeordneten zu unterstützen.

So viel zahlt Köln für Kultur und Sport

Zahlreiche Freizeitvergnügen in Köln wären ohne städtische Subventionen undenkbar. Die Zahlungen sind zum Teil erheblich. Nun wurden genaue Zahlen offengelegt, welche Dienste von der Öffentlichkeit unterstützt werden. Die wichtigsten Zahlen.  Von Tim Attenberger

Ein paar Bahnen im Schwimmbad zurücklegen, sich das neueste Theaterstück im Schauspiel ansehen und Designklassiker im Museum für Angewandte Kunst betrachten – all diese Freizeitvergnügungen wären ohne zum Teil erhebliche städtische Subventionen undenkbar.

Auch die Straßenreinigung müsste in Bereichen der Stadt ausfallen. Die Verwaltung hat auf der Internetseite der Stadt erstmals eine Übersicht über die kommunalen Zuschüsse für einzelne Einrichtungen veröffentlicht. „Das ist ein Einstieg in die vollständige Transparenz des Haushaltes, die unsere Kämmerin anstrebt“, sagt Stadtsprecherin Inge Schürmann. Auf diese Weise sollen die Bürger eine Vorstellung davon bekommen, welche Leistungen nicht durch die Einnahme von Gebühren und Entgelten gedeckt werden können.

Ausgleich mit städtischen Mitteln

Das entstehende Defizit wird durch Mittel aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen. Über die Steuerabgaben bezahlt also letztlich die Allgemeinheit für bestimmte Angebote mit, obwohl nicht alle diese nutzen. „Wir kommen da zum Beispiel unserem Bildungsauftrag nach“, sagt Schürmann.

Dementsprechend entstehen beeindruckende und zum Teil überraschende Zahlen, die allerdings in den jeweiligen Zusammenhang gestellt werden müssen. So hängt zum Beispiel die Zuschusshöhe für ein Museum ganz erheblich von den Besucherzahlen und den damit verbundenen Einnahmen sowie von den Ausgaben für Unterhalt, Personal und Neuanschaffungen ab. Nachfolgend gibt es einen Überblick über Einrichtungen, die besonders stark oder gering subventioniert werden.

Das Museum für Angewandte Kunst wird pro Eintrittskarte mit 262,32 Euro bezuschusst. Dort gibt es pro Jahr 56 972 Besucher.

Im Rautenstrauch-Joest-Museum subventioniert die Stadt bei jährlich 114 402 Besuchern jede Eintrittskarte mit 150,16 Euro.

Das Kölnische Stadtmuseum erhält bei 51 314 Besuchern pro Ticket Zuschüsse in Höhe von 72,19 Euro, das Museum Ludwig bei 343 953 Besuchern 71 Euro.

Die Bühnen der Stadt Köln werden pro Besucher mit 178,48 Euro bezuschusst. In der Spielzeit 2011/2012 kamen insgesamt 296 470 Zuschauer.

Jeder Besucher eines Konzerts des Gürzenich-Orchesters wird mit 82,50 Euro unterstützt.

In der Philharmonie fällt pro Gast lediglich ein Zuschuss von 6,58 Euro an.

Die Stadtbibliothek wird bei jeder Nutzung mit 1,65 Euro aus dem Haushalt unterstützt.

Wer bei den Köln-Bädern schwimmen geht, wird pro Besuch mit 7,09 Euro unterstützt. Der Bundesschnitt liegt bei 9,14 Euro.

Für die Kölner Kindertagesstätten schießt die Stadt pro Platz 5379 Euro zu.

Die Straßenreinigung inklusive des Winterdienstes kann über die Gebühreneinnahmen nicht finanziert werden. Aus dem Haushalt kommt deshalb ein Zuschuss von 12,5 Millionen Euro pro Jahr.

Schwule Szenegastronomie darf nicht benachteiligt werden

SPD für den Erhalt von Vielfalt im Veedel

Schwule Szenegastronomie darf nicht benachteiligt werden

Das Thema Ausschluss von Spielhallen, Wettbüros, Sex-Shops und Vergnügungsstätten ist seit geraumer Zeit ein strittig diskutiertes Thema in der Stadtentwicklung. Durch deren ungeregelte Ausbreitung sind einige unser Quartiere und Stadtteilzentren in ihrer Struktur und Qualität akut bedroht. Hier hat sich die SPD frühzeitig dafür eingesetzt, die Vielfalt an Gewerbe und Dienstleistungen in Köln zu schützen und eine positive Entwicklung der Quartiere zu ermöglichen. Hierzu ist laut Verwaltung derzeit der Weg über den Bebauungsplan der einzig gangbare.

Bereits im Jahr 2011 wurde aber in der Diskussion um den Bebauungsplan im Bereich der Hohen Pforte deutlich, dass die baurechtlichen Grundlagen hierfür leider nur sehr undifferenzierte Ausschlussverfahren vorsehen.

Wir waren bereits damals mit den Vertretern der Stadt-AG Lesben, Schwule, Transgender einig, dass schwule Szenebetriebe im Vergleich zu anderen Kneipen keinesfalls benachteiligt werden dürfen. Es darf nicht passieren, dass wir aus formalen Gründen einen Beschluss fassen, der aufgrund von Auslegungen des Begriffs Vergnügungsstätte das Gegenteil von dem erreicht was wir wollen, nämlich die vielfältigen und bunten Quartiere unserer Stadt zu bewahren, stellt Michael Frenzel, stadtentwicklungs¬politischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion klar. Deshalb hat auf Initiative der SPD-Fraktion die Verwaltung damals die Vergnügungsstätten aus der Vorlage entfernt. Wir brauchen hier eine Stadtplanung mit Augenmaß. Der pauschalisierende Begriff der Vergnügungsstätte scheint jedenfalls der aktuellen Situation in unseren Städten nicht mehr ganz gerecht zu werden, so Frenzel weiter.

Köln ist eine bunte Stadt, in der die Menschen so leben sollen, wie sie sich das wünschen, und wo wir unterschiedliche Lebenskulturen nicht nur tolerieren, sondern anerkennen und schätzen. Die schwule Szenegastro-nomie hat da mit all ihren Facetten längst einen festen Platz. Sie gehört zum Großstadtleben einfach dazu. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Kölner Vielfalt. Und das ist gut so!, ergänzt die LSBT-politische Sprecherin Elfi Scho-Antwerpes.

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD, Michael Frenzel, wird sich dafür einsetzen, dass geklärt wird, wie Ermessensspielräume in der Baunutzungsverordnung besser genutzt werden können und die Vielfalt im Veedel erhalten bleiben kann.

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