Früher war Tom Mucke öfter am See. Inzwischen muss sich der Sechstklässler mehr mit Dingen wie Vokabeln lernen und Hausaufgaben herumschlagen. Doch der Fühlinger See ist immer noch sein großer Abenteuerspielplatz. Und er liegt ihm am Herzen. Deshalb schaut er immer wieder genau hin, wenn im Sommer Scharen von Fans zum Musikfestival Summer Jam anreisen. Für seine Untersuchung der Auswirkungen dieses Großereignisses auf Wasser, Flora und Fauna gewann der Elfjährige nun einen Sonderpreis beim Regionalwettstreit von Jugend forscht, einer bundesweiten Serie von Wettbewerben für Nachwuchstalente. Obwohl der Gymnasiast keine schädlichen Effekte feststellen konnte, beeindruckte die Preisrichter, wie systematisch Tom seine Analyse angelegt hat.

Am Anfang stand eine Vermutung. „Meistens gibt es nicht genug Toiletten“, glaubt Tom. Und es würden mehr Menschen im See baden als sonst. Auf dem Laptop seiner Eltern hat er viele Bilder gespeichert, die das Gelände während und nach der Veranstaltung zeigen. Tom zeigt auf mit Müll übersäte Wiesen: „So etwas fällt einem auf, wenn man hier wohnt“, sagt der Fühlinger. Nimmt die Natur durch Lärm und die vielen Menschen im Wasser vielleicht Schaden? Auch wenn die Veranstalter in den vergangenen Jahren mehr Toiletten aufgestellt haben und das Gelände nach dem Festival gründlich reinigen – diese Frage ließ dem Juniorforscher keine Ruhe.

Im vergangenen Sommer beobachtete er also Schwäne, Stockenten, Schildkröten, Fische und Füchse am See – und die Wasserqualität vor, während sowie nach der Veranstaltung. Bei der Auswertung der Wasserproben halfen ihm Mitarbeiter des Chemie-Unternehmens Currenta mit Sitz in Leverkusen. Tom durfte das Labor für Ökotoxikologie besichtigen. Mit Schutzbrille, weißem Kittel und Pipette führte er eigenhändig einen von mehreren Tests durch.

Bei der Untersuchung wurden Leuchtbakterien eingesetzt, mit deren Hilfe eine Verschmutzung der Flüssigkeit hätte nachgewiesen werden können. „Sie erzeugen zum Beispiel auch das Meeresleuchten“, erläutert Tom. In den Proben, die er während des Festivals und danach entnommen hatte, leuchteten sie munter weiter. Ein eindeutiger Hinweis: Das Wasser ist in Ordnung. Weitere Analysen der Profis zeigten ebenfalls keine negativen Auswirkungen, der See bietet den Lebewesen darin gute Bedingungen. Und die Tiere rund ums Gewässer, die während des Reggae-Konzerts die Flucht ergriffen hatten, wie Tom beobachtet hatte, tauchten einige Tage später wieder auf.

Nicht die gleiche Artenvielfalt

Wären seine Ergebnisse anders ausgefallen – Tom hätte dafür plädiert, das Festival eine Zeit lang auszusetzen. Generell ist er aber zufrieden damit, wie die Erwachsenen mit seinem See umgehen. „Er wurde ja schon mal gesperrt, als die Wasserqualität nicht so gut war“, erzählt er. Kein Grund, nicht genau zu beobachten, wie es um das Ökosystem im und um den See bestellt ist, findet Tom. „Wir müssen ihn instand halten. Wenn wir einfach immer weiter machen, haben wir irgendwann keine Bäume mehr, keinen Sauerstoff und nicht mehr die gleiche Artenvielfalt wie heute“, sagt er.

Einen konkreten Berufswunsch hat der Junge noch nicht. „Dafür ist es doch zu früh“, sagt er. Fächer wie Mathematik und Physik machen ihm aber eindeutig mehr Spaß als etwa Sprachen. Insgesamt war seine Schule, das Norbert-Gymnasium in Knechtsteden, mit 13 Projekten beim Regionalwettbewerb im Februar vertreten, auch ein erster Preis war darunter. „Viele von unserer Schule haben etwas gewonnen“, relativiert Tom bescheiden seine Auszeichnung in der Juniorsparte.