19. April 2017: Bundesweit wurde von einem „Paukenschlag“ berichtet, als kurz vor der Landtagswahl CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet eine Kommission unter dem Vorsitz von Wolfgang Bosbach ankündigte, falls er Ministerpräsident würde. Die Kommission solle „die Sicherheitsarchitektur in NRW auf den Prüfstand stellen“ und
„Empfehlungen etwa zu Terrorbekämpfung, Eindämmung von Salafismus oder organisierter Kriminalität erarbeiten.“

Laschets Ankündigung war so überraschend wie verwirrend zugleich, denn im von der CDU am 1. April verabschiedeten Regierungsprogramm 2017 – 2022 war weder von einer Bosbach-Kommission noch von einer Sicherheitsarchitektur die Rede, die auf den Prüfstand gestellt werden müsse. Im Gegenteil: Im Kapitel Innere Sicherheit hatte die CDU insgesamt 92 konkrete Versprechen abgeliefert, wie unter ihrer Regierungsverantwortung Innere Sicherheit gehandhabt werden solle.
Als Laschet 19 Tage später die Bosbach-Kommission ankündigte, muss er also schon Zweifel am eigenen Regierungsprogramm mit seinen 92 konkreten Vorschlägen gehabt haben. Denn weshalb sollte eine Sicherheitsarchitektur auf den Prüfstand gestellt werden, wenn die CDU laut Regierungsprogramm schon explizit wusste, was sie in Fragen der Inneren Sicherheit zu tun gedenkt?

25. April 2017: Unter der Überschrift „Die besten Köpfe für mehr Sicherheit in Nordrhein-Westfalen“ stellte die CDU nicht nur die weiteren Mitglieder der Bosbach-Kommission vor, sondern auch deren Aufgaben: „Schonungslose Analyse der Probleme der Inneren Sicherheit“, „Evaluierung der personellen, technischen und rechtlichen Ausstattung der NRW-Sicherheitsbehörden auf die Fähigkeit zur Durchsetzung von Recht und Ordnung“, „Generalrevision der Sicherheitsarchitektur in Nordrhein-Westfalen auf die aktuellen und absehbaren Herausforderungen hin“.
Des Weiteren wurde eine „Vorlage weitergehender Reformvorschläge zur Ertüchtigung der Sicherheitsarchitektur in NRW und zur Optimierung der Zusammenarbeit mit Kommunen und Bund“ angekündigt.
Zusätzliche Überraschung: Die Kommission solle nicht etwa beim zuständigen Innenministerium sondern bei der Staatskanzlei angesiedelt werden.
Wie drängend es dem Wahlkämpfer Laschet war, zeigte die abschließende Bekanntgabe des Einsetzungstermins der Bosbach-Kommission. Zitat: „Unmittelbar nach Abschluss der Regierungsbildung.“
16. Juni 2017: Bei der Vorstellung des CDU/FDP-Koalitionsvertrages heißt es: „NRW braucht einen Neustart in der Sicherheitspolitik.“ Deshalb bedürfe es einer Überprüfung der Sicherheitsarchitektur. Eine Bosbach-Kommission wird im Koalitionsvertrag nicht erwähnt.
18. Juni 2017: Auf Medien-Nachfragen bestätigt der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), dass er der Kommission ebenfalls angehören werde.
7. September 2017: Zu der von der SPD im Innenausschuss gestellten Frage „Was macht eigentlich die Bosbach-Kommission“ antwortet der Chef der Staatskanzlei: „Die Vorbereitungen zur Einsetzung dieser Expertenkommission sind weit vorangekommen und auf einem guten Weg. Über Arbeitsauftrag, Organisationsstruktur, Arbeitsweise und die personelle Zusammensetzung der Kommission ist der Ministerpräsident im intensiven Gespräch mit allen Beteiligten. Sobald die Details geklärt sind, wird der Ministerpräsident die Kommission noch im Herbst offiziell einsetzen, so dass diese baldmöglichst ihre Arbeit aufnehmen kann.“
Entgegen den bisherigen Ankündigungen heißt es nunmehr einschränkend: „Der Auftrag der Kommission richte sich explizit darauf, die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden auf europäischer, Bundes- und Landesebene auf Optimierungsbedarf hin zu untersuchen.“
Marc Lürbke, Innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion legt Wert auf die Feststellung, dass es richtigerweise Bosbach-Baum-Kommission heißen müsse.
7. Dezember 2017: In der Sitzung des Innenausschusses wiederholte die SPD ihre Frage vom 7. September. Heutige Antwort des Chefs der Staatskanzlei: „Die konkreten Planungen im Vorfeld der Einsetzung der Kommission schreiten voran.“ Und weiter: „Der Beginn der Bosbach-Kommission, einschließlich Herrn Baum, wird noch in diesem Jahr vorgestellt.“
Was lernen wir daraus? Man muss nicht unbedingt ins Kabarett gehen, wenn man Realsatire erleben will.