KStA,Erstellt 27.01.2014

Oberbürgermeister Jürgen Roters stand den Bürgern im Rathaussaal Rede und Antwort. Foto: Renate Hofmann
Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters und die SPD-Parteiprominenz haben sich kritischen Fragen der Bürger gestellt. Lob gab es wenig, vielmehr taten die Bürger ihren Unmut sehr deutlich kund und fragten intensiv nach.  Von Renate Hofmann
 Einen leichten Stand hatte Oberbürgermeister Jürgen Roters nicht. Dabei hatte er gute Nachrichten im Gepäck: Die Kaufverhandlungen für das Hertie-Haus sind auf einem guten Weg, und mit der Sanierung der denkmalgeschützten Treppenanlage am Rheinufer soll im April begonnen werden. Doch die rund 130 Bürger, die zur Diskussionsveranstaltung „Zuhause im Quartier – Zukunft Porz-Mitte gestalten“ in den Rathaussaal gekommen waren, blieben skeptisch. Zu oft waren sie vertröstet worden.

Für die Veranstaltung hatte die SPD alles aufgeboten, was Rang und Namen hat. Neben dem Oberbürgermeister und Bezirksbürgermeister Willi Stadoll waren unter anderem der Bundestagsabgeordnete Martin Dörmann zugegen sowie der Landtagsabgeordnete Jochen Ott. Ebenfalls anwesend war Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, die bei der Kommunalwahl für Porz-Mitte/Zündorf/Langel antreten wird, nachdem sich Ratsmitglied Lutz Tempel zurückgezogen hat.
Die Bürger hatten sich von dem Aufgebot locken lassen. Neben den Genossen, die naturgemäß zu Veranstaltungen dieser Art streben, befanden sich viele Vertreter von Vereinen und Initiativen im Publikum. Nicht blicken ließen sich allerdings Vertreter anderer Parteien.

Indes drohten die Bürger keineswegs, vor dem Großaufgebot in Ehrfurcht zu versinken. Lob gab es wenig, vielmehr taten sie ihren Unmut sehr deutlich kund und fragten intensiv nach.

Verständnis für die Gemütslage

Dabei zeigte Roters durchaus Verständnis für die Gemütslage: „Sie haben sehr lange gewartet und bis an die Grenze des Zumutbaren Geduld gezeigt.“ Doch bei der Problematik um den Kaufhaus-Komplex sei man jetzt schon sehr weit. „Wir sind kurz vor der Ziellinie“, hieß es. Das allerdings irritierte die Vertreter der Innenstadtgemeinschaft (ISG). Die hatten sich in letzter Zeit vermehrt Gedanken darüber gemacht, die Immobilie selbst zu erwerben. „Was sollen wir denn jetzt tun, weitermachen oder wieder warten?“, fragte Geschäftsführer Patrick Wiesner. Weitermachen und dann mit der Stadt zusammenarbeiten, empfahl Jochen Ott: „Die Problemlage ist extrem komplex. Dafür ist viel Fachwissen nötig. Für Privatleute ist das kaum zu stemmen.“
Etwas unbestimmter fiel die Antwort auf die Frage aus, wie es weitergehen könnte. Einig war man sich, dass es kein Kaufhaus im klassischen Sinne in der Porzer Innenstadt mehr geben wird. Eher einen großen Supermarkt und einige kleinere Läden. Dazu könnten Wohnungen entstehen. Und Büros. Vielleicht für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die dann aus dem Rathaus ausziehen würden. Der historische Bau am Rheinufer könnte in hochwertigen Wohnraum umgewandelt werden. „Die Lage ist einzigartig“, waren sich alle einig. In das Erdgeschoss, dort, wo sich derzeit die Fraktionsräume befinden, könnte vielleicht eine Eisdiele einziehen.

Doch das waren erst einmal nur Visionen. Wenn sich der Ankauf der ehemaligen Hertie-Immobilie positiv entwickele, müsse die Problemlage zunächst gebündelt und dann alles weiterentwickelt werden. Dazu gehöre auch die Tiefgarage.

Wieder ließen die Bürger nicht locker: Die Stadt habe ihre Verpflichtungen als Eigentümerin vernachlässigt und die Tiefgarage verkommen lassen, wurde dem Oberbürgermeister vorgeworden. Jochen Ott nahm ihn in Schutz: „Hätten wir früher instand gesetzt, hätten wir Steuergelder verschwendet.“ Immerhin gebe es Untersuchungen, nach denen die Parkplätze in der Tiefgarage nicht zwingend nötig seien.

Was immer die Politiker vorbrachten, stets wurde nachgehakt. Der Verdruss war deutlich zu spüren. Das nahmen offenbar auch die Podiumsteilnehmer wahr. „Wir sind sensibilisiert. Sie haben uns aufgerüttelt“, bekannte Elfi Schon-Antwerpes zum Schluss.